Zentrum für selbstbestimmte Teilhabe am Leben
Auslober/ Bauherr: Lebenshilfe Böblingen gGmbH
Umsetzung: Januar 2024
Verfahren: nichtoffener Wettbewerb
Städtebauliche Einfügung
Das Gebäude entwickelt sich als kompaktes 4-geschossiges Volumen auf einem eingeschossigen Ringgebäude mit Innenhof, welches im westlich auf einem Hanggeschoss liegt. Der auskragende Geschossbau reiht sich in die an die bestehenden Solitärgebäude der Richard-Kopp-Straße ein. Er bildet die markante Adresse des Zentrums für selbstbestimmte Teilhabe am Leben, an der Kreuzung Auguste-Piccard-Weg und Richard-Kopp-Straße. Unterhalb des auskragenden Geschossbaus liegen der Haupteingang und das öffentliche Café, ein Treffpunkt mit großzügigem Freibereich, der sich zur Promenade entlang der Richard-Kopp-Straße hin öffnet. Die Obergeschosse werden über zwei zentrale Treppenhäuser erschlossen, die sowohl die Adresse als auch eine private Zugänglichkeit der Wohnbereiche ermöglichen, sowie die Ausbildung von „Nutzungsbereichen“ im Sinne brandschutzkonformer, offener Ebenen sicherstellen.
Eine Kurzhaltezone für PKW und Kleinbusse liegt an der Wendeplatte vor dem Gebäude, die Tiefgaragenzufahrt an der nördlichen Grundstücksgrenze.
Die Baumasse des Zentrums fügt sich in die Maßstäblichkeit der umgebenden Bebauung ein und bildet einen städtebaulichen Akzent an der.
Planungsziele
- Adressbildung der grünen Mitte
- Vernetzung der vielfältigen Nutzungen
- Effizienz, kurze Wege & Orientierung
- Synergieeffekte, Flexible Räume für unterschiedlichste Nutzungen geeignet
- Verschmelzung von Innen und Außen, Stadtoase
- Schaffen von Treffpunkten, Lebhafter Kommunikations- sowie Rückzugsorte
Lageplan
Erweiterungspotential
2. Bauabschnitt
Ein zweiter Geschossbau wird im westlichen Bereich des Ringgebäudes aufgesetzt und an den bereits vorhandenen Erschließungskern angeschlossen. Es wird keine weitere Grundstücksfläche beansprucht, die Freiflächen werden nicht beeinträchtigt. Die Baustelle kann von „außen“ bedient werden. Es ist nur mit geringen Beeinträchtigungen des Bestandes zu rechnen.
Funktionalität und Modulanforderungen
An der zentralen Empfangshalle liegt das Café (Modul 10) mit der Großküche, an die auch die Schulungsräume und der Mehrzweckraum (Modul 4) im Süden angebunden sind und von dort bewirtschaftet werden können. Bei Bedarf können so Café und Schulungsräume variabel für interne oder externe Großveranstaltungen zusammengeschalten werden.
Die Anlieferung der Küche kann direkt und separat über die Straße oder Tiefgarage erfolgen. Auf der nördlichen Seite liegt, im Anschluss an den Empfangsbereich, die Verwaltung (Modul 2) sowie die Ergänzende Unabhängige Teilhabe-Beratungsstelle mit einem unabhängigen Zugang an der Hauptfassade.
Die Räumlichkeiten der Kurzzeitpflege erhalten einen separaten Bereich im nordwestlichen Teil des Ringgebäudes mit direktem Zugang und Blickbeziehungen zum täglichen Geschehen im Innenhof. Das Modul 1, Familien entlastende Hilfen, liegt ebenfalls mit separatem Eingang westlich am Innenhof. Die inklusive KiTa liegt zurückgezogen im ersten und zweiten Obergeschoss (Modul 5) mit direktem Zugang zum geschützten Freibereich auf der Dachterrasse des Ringgebäudes. Die Anbindung an die Eingangshalle erfolgt durch eine großzügige Freitreppe sowie die beiden Erschließugskerne aus EG und UG, sodass der Personenverkehr zu den entsprechenden Stoßzeiten aufgenommen werden kann. Im zweiten Geschoss der KiTa liegen, neben den Krippenbereichen, die interdisziplinäre Frühförderungsstelle (Modul 6) und das Autismuszentrum (Modul 7), die ebenfalls barrierefrei und unabhängig erschlossen werden. Die Wohnbereiche für Mitarbeiter (Modul 3) und Wohngruppen der Klienten (Modul 9) sind in den oberen beiden Geschossen angeordnet, sodass Rückzugsmöglichkeiten und Teilhabe am Zentrumsgeschehen gleichwertig ermöglicht werden können. Sämtliche Gebäudebereiche sind barrierefrei entwickelt und ausgebildet.
Erdgeschoss
Materialität und Gestaltung
Die einzigartigen Charakteristika des ZTL entstehen vor allem durch den auskragenden Geschossbau mit seinen klar ablesbaren und strukturierten Fassadenringen. Vertikale Holzlamellen mit farbig hinterlegten Fugen ergeben im Wechsel mit großzügigen Glasflächen ein lebhaftes Fassadenbild.Die Fassaden werden als Holzständerkonstruktion ausgebildet. Das ebenerdige Ringgebäude verfügt durch den weitläufigen Innenhof durch lichtdurchflutete, helle und atmosphärische Innenräume mit direkter Anbindung an geschützte Freiflächen im Hof. Dies gilt für die großzügige Empfangshalle mit Blickachsen zum öffentlichen Café, dem Vorplatz und in die Obergeschosse entlang der zentralen Treppe. Die Ebenen der Wohngeschosse verfügen zusätzlich zur lebendigen grünen Mitte über einen als Innenhof ausgebildeten Wintergarten, der zentraler Gemeinschaftsbereich für alle Wohnbereiche wird. Natürliche und freundliche Oberflächen, Wegeachsen und Treppenkerne mit dezenter Farbgebung strukturieren die Raumvolumina und dienen einer leichten, selbstverständlichen Orientierung im Gebäude. Die Wohngruppenbereiche setzen sich ebenfalls farblich voneinander ab.
Nachhaltigkeit
Das Tragwerk von UG, Decken und Erschließungskernen wird, den Brandschutzanforderungen folgend, aus Stahlbeton erstellt. Es sollen alle geeigneten Bauteile aus Recycling-Beton erstellt werden. Die Fassaden sind Holzständerkonstruktionen. Materialien werden schadstofffrei, langlebig, pflegeleicht und soweit wie möglich sortenrein demontierbar ausgewählt. Im Gebäude sollen ausschließlich regenerative Energiesysteme zum Einsatz kommen. Wärmepumpen mit Niedrigenergie-Heizung, PV-Anlagen möglichst mit Speicher. Lüftungen werden als dezentrale Systeme nach Erfordernis mit hoher Wärmerückgewinnung geplant. Das Gebäude kann als NH 40 - Gebäude mit Zertifizierung (QNG) ausgeführt werden.
Freianlagen
Durch die Gebäudeform entsteht mit dem Innenhof eine geschützte grüne Mitte für die Gemeinschaft, die eine Gliederung in gesonderte Freibereiche für die dort liegenden Nutzungen und gleichzeitig einen zentralen Treffpunkt ermöglicht. Wechselwirkungen zwischen befestigten Flächen und Vegetationsflächen gliedern den Freibereich und schaffen eine anregende Umgebung im städtischen Umfeld. Das gilt auch für die Freifläche, Dachfläche auf dem Ringgebäude, die mit einer Rampe, die auch Spielfläche sein kann, barrierefrei an den Innenhof angebunden wird. Für die KiTa wechseln sich unterschiedliche Spielzonen und Aufenthaltsbereiche mit z.B Gärten, Beeten und Terrassen ab. Eine „Bobby-Car Rennstrecke“ rund um den Innenhof kann auch Laufbahn sein.
Süd
Leitsystem und Orientierung
Die unterschiedlichen Nutzungsbereiche sind bereits von außen durch farbig gestaltete Fassadenflächen klar erkennbar und zu unterscheiden. Diese Farbkodierung setzt sich im Inneren des Gebäudes fort und führt über die Erschließungswege in die entsprechenden Funktions-Module. So erreicht man beispielsweise die KiTa, über die zentrale orangefarbene Treppe und die jeweiligen Wohngruppen Gruppe „Gelb“ „Grün“ und „Orange“ über Zugänge/Treppen in den jeweiligen Farben der einzelnen Wohneinheiten.
1.OG