Lindachareal | Leinfelden-Echterdingen

Auslober/ Bauherr:  Stadt Leinfelden-Echterdingen
Umsetzung:         August 2024
Verfahren:         Hochbaulicher und Freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb

Kooperation / Entwurf: Botzian Architektur

 

Städtebauliche Einbindung

Im Zusammenspiel mit dem Bestandsgebäude aus den 60er Jahren ergänzt der neue, an die Stelle des Bestandes der 90er Jahre getretene, Baukörper die Grundschule und reagiert in Kubatur und Geometrie angemessen und zurückhaltend auf die umgebende Bebauung. Es entsteht im Kombination mit dem Bestand ein zusammenhängender Baukörper, in dem die Nutzungen der Schule differenziert verteilt sind. Der bestehende Höhenversprung im Erdgeschoss wird auch im Neubau fortgesetzt, der Bestand so mit eingebunden und sinnfällig integriert.

Der Neu- / Anbau der Grundschule fügt sich elegant und selbstverständlich in das bestehende Umfeld ein. Er nimmt die Höhen der bestehenden Schule auf und hält respektvollen und wohltuenden Abstand zur umgebenden Bebauung. Gleichzeitig wird die besondere Nutzung des Neubaus durch die Alleinstellung unterstrichen, er ist im Ortsgefüge klar zu erkennen. Die Geschossigkeit des Baukörpers ist dem Umfeld angepasst und zeigt ein städtebaulich angemessenes Volumen. Der Haupteingang wird neu organisiert, barrierefrei aufgewertet und orientiert sich nun zur Festwiese. Dadurch wird die Adressbildung der Schule stark verbessert und es entsteht eine einladende Eingangssituation mit kommunikativem Charakter. Durch die gewählte Positionierung des Neubaus zwischen Bestandsgebäude und Jahnstraße wird der Sport-Campus nicht weiter versiegelt und der Eingriff in die Gesamtanlage minimiert. Sowohl die Platanen und Linden entlang der Jahnstraße, als auch die Bäume auf dem Schulhof werden zu 100% erhalten. Ebenso bleiben alle Stellplätze erhalten.

Nach dem Abriss des Gebäudeteils aus den 90er Jahren erfolgt der Neubau des Erweiterungsbaus. Nach dessen Fertigstellung schließt sich die energetische Sanierung des erhaltenen Bestandsgebäudes an.

Innere Funktion / Räumliche Qualität

Durch die Gestaltung der Grundrisse werden der jeweiligen Nutzung adäquate Räume bzw. Strukturen ausgebildet. Der Neubau ist zeitgemäß, offen und hell gestaltet. Über das gesamte Gebäude verteilt befinden sich differenzierte Aufenthaltszonen, Lerninseln und Rückzugsmöglichkeiten. Das pädagogische Konzept der Lindachschule lässt sich hier ideal umsetzen.

Grundschule

Die Bestandsräume und Strukturen des 60er Jahre Baukörpers werden im Wesentlichen übernommen und mit gezielten kleineren Anpassungen aufgewertet und ertüchtigt. Der Hauptzugang erfolgt wie bisher auch über das großzügige Foyer. Die bisherige Erschließungssituation wird neu sortiert und mit einer offenen Treppe ausgestattet.

Im Erd- und Obergeschoss entsteht eine ringförmige Erschließungsfigur, die alle Bereiche der Schule auf kürzestem Weg verknüpft. Der bestehende Höhenversatz im Bestand wird barrierefrei über eine Rampe und einen Aufzug erschlossen. Die fachspezifischen Unterrichtsräume der Schule sind wie im bereits bestehenden Konzept in der Ebene -1 platziert, sind dadurch lärmtechnisch isoliert und werden alle großzügig natürlich belichtet. Die Klassenräume des Allgemeinen Unterrichtsbereichs liegen mit den jeweils zugeordneten Differenzierungsräumen alle fassadenseitig im Obergeschoss. Die Lehrer- und Verwaltungsbereiche bleiben wie bisher im 1. Obergeschoss und werden zusammenhängend im Bereich des Lichthofes neu positioniert.

SBBZ

Die Räume der SBBZ sind alle im Erdgeschoss angeordnet und barrierefrei zugänglich. Klassenräume und Differenzierungsräume ergeben zusammenhängende Raumcluster. Eine Verbindung zur Grundschule ist vorhanden.

Ganztagesbereich - Mensa

Der Ganztagesbereich befindet sich im Erdgeschoss in den Bestandsräumen des 60er Jahre Baukörpers, die Mensa inkl. der Küche ist im Neubau angegliedert und direkt angeschlossen.

Lageplan

Materialien

Die Materialwahl der Grundschule berücksichtigt vor allem heimische und nachhaltige Materialien. Die Umsetzung des Cradle-to-cradle Prinzips wird angestrebt. Im Außen - und Innenraum werden vorrangig Holz-Oberflächen und -Materialien eingesetzt, durch die Trennung von Schichten und Konstruktionen ist ein ökologischer Kreislauf der Bauteile gewährleistet. Die aus dem Abbruch des Bestandes gewonnenen Betonrecyclingstoffe werden als Unterbau wiederverwendet.

Wirtschaftlichkeit und Energiekonzept

Durch die Ausbildung eines kompakten Baukörpers werden Wärmeverluste und -Gewinne optimiert, es entsteht ein Gebäude mit sehr hoher Wirtschaftlichkeit und großer Nachhaltigkeit. Durch die Anordnung der Fensterflächen ist eine Querlüftung überall möglich, die geforderten Luftwechselzahlen sind somit sichergestellt. Die erforderliche Haustechnik ist auf einem vernünftigen, wirtschaftlichen Niveau und deckt alle Erfordernisse der NutzerInnen ab. Eine Niedrigtemperaturheizung, die mit Hilfe von Wärmepumpen und Photovoltaik betrieben wird, versorgt die vorgesehene Fußbodenheizung/kühlung. Die Deckenflächen sind akustisch wirksam und ermöglichen den Einbau einer zeitgemäßen LED-Beleuchtung. Innenliegende und Sanitärräume werden künstlich belüftet.

 

Erdgeschoss

 

Konstruktion

Die Konstruktion des Neubaus wird im Wesentlichen als Holzbau ausgeführt. Nur die erdberührenden Bauteile wie Bodenplatte, Fundamente und Wände gegen Erdreich und das Treppenhaus (als aussteifendes Element) werden aus Stahlbeton hergestellt. Decken und tragende Wände werden als Brettschichtholzscheiben mit einer hohen Vorfertigung und schneller Bauausführung vorgesehen. Durch die Rasterung des Grundrisses lassen sich wirtschaftliche Spannweiten realisieren. Durch die Wahl der Baumaterialien wird ein geringer CO2-Abdruck und eine ökologische Bauweise erzielt.

Brandschutz

Alle Räume sind entsprechend den brandschutzrechtlichen Anforderungen entfluchtbar. Die Aufteilung der Grundschule in Nutzungseinheiten von ca. 400 qm ermöglicht eine einfache Entfluchtung des Gebäudes. Der erste Rettungsweg führt im OG über zwei Treppenhäuser und die Dachfläche des EGs, der zweite Rettungsweg in die angrenzende Nutzungseinheit. Es gibt keine notwendigen Flure im Gebäude, die Bewegungsflächen werden pädagogisch flexibel nutzbar. Weitere bauliche Brandschutzanforderungen werden entsprechend den geltenden gesetzlichen Bestimmungen harmlos umgesetzt.

Konstruktion

Die Konstruktion der Neubauten wird im Wesentlichen als Holzbau ausgeführt. Nur die erdberührenden Bauteile wie Bodenplatte, Fundamente und Wände gegen Erdreich und das Treppenhaus (als aussteifendes Element) werden aus Stahlbeton hergestellt. Decken und tragende Wände werden als Brettschichtholzscheiben mit einer hohen Vorfertigung und schneller Bauausführung vorgesehen. Durch die Rasterung des Grundrisses lassen sich wirtschaftliche Spannweiten realisieren. Durch die Verwendung von Holzbauteilen wird ein geringer CO2-Abdruck und eine ökologische Bauweise erzielt.

 
 

Fassaden

Die transparenten Fassaden erhalten Holzfenster mit 3-fach Verglasung und Öffnungsflügeln zur natürlichen Belüftung und Nachtauskühlung. Diese werden als Elementfenster mit einem textilen Sonnenschutz, der in die Fensterelemente integriert ist, ausgebildet. Wo nötig wird ein zusätzlicher innenliegenden Blend- und Sichtschutz ergänzt. Die gestaltprägende exponierte Rahmenstruktur wird mit einer hinterlüfteten Keramikbekleidung versehen. Die geschlossenen Intarsien werden in Holzrahmenbauweise hergestellt und ebenfalls mit Keramikelementen verkleidet. Die Farbigkeit der Fassade ist zurückhaltend und dem Ort angemessen. Dadurch fügt sich das Gebäude gut in die Umgebung ein, bleibt jedoch in der Materialwahl im Umfeld einzigartig.

Dächer

Die oberste Dachfläche wird mit einer extensiven Dachbegrünung zur Regenwasserpufferung ausgestattet. Diese wird kombiniert mit einer großflächige Photovoltaikanlage zur Versorgung des Gebäudes mit Strom. Das Dach über EG wird als Spielbereich für die Krippenkinder ausgebildet, das Dach über dem 1. Obergeschoss kann in Teilen vom Personal als Dachterrasse genutzt werden.

Ost

 

Nord


 

Jugendhaus / Außenanlagen

Zwischen Grundschule, Festhalle, Bibliothek / Kindergarten und Jugendhaus entsteht eine definierte Platzsituation – der Bildungscampus – , der integraler Bestandteil des Lindachareals wird. Alle öffentlichen Nutzungen sind somit gebündelt, nah beieinander und können erstmals Synergien ausbilden. Die zu erwartende Lärmentwicklung wird so auf einen Bereich fokussiert. Der gewünschte Pumptrack wird nahe beim Jugendhaus verortet, die Bereiche Bolzplatz, Beachvolleyballplatz und Skateanlage verbleiben an ihrem bisherigen Standort. Die Außenanlagen der Grundschule werden gegliedert, zoniert und unterschiedlich gestaltet. Alle Außenspielflächen sind gut einsehbar und klar zugeordnet. Im Bereich des Pausenhofes wird nach Süden erweitert und um ein neues Spielgerät ergänzt, das die alten Betonscheiben ersetzt. Bodentrampoline, Tischtennisplatten, ein Schachfeld und Außensportgeräte ergänzen das Bewegungsangebot für die Kinder. Neben vielfältigen Aufenthaltsmöglichkeiten und Sitzflächen entsteht als Lernangebot im Freien ein naturnahes Freiraumklassenzimmer. Die Wegesituation des Campus wird neu sortiert und durch einen ovalen Rundlauf klar strukturiert. Dieser Rundlauf ergänzt die sportliche Ausrichtung des Geländes mit einer öffentlich zugänglichen Laufbahn, lädt aber auch zum Spazierengehen ein. Jeweils an den Schnittpunkten von Rundlauf und bestehenden Wegen werden neue Attraktionen wie Fitnessgeräte oder Verweilmöglichkeiten ergänzt, Der Kunststoffplatz bleibt in seiner ursprünglichen Lage erhalten. Der Rasenwall zwischen den Sportplätzen wird mit neuen Sitzmöbeln aufgewertet.

 
 

1.OG

 

UG